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Meine Erfahrungen mit Pferden


„In der Seele des Pferdes findest Du Saiten, die lange in Dir nachklingen."
(Gunnar Anarson)

Rendezvous mit "Muscle"
Rendezvous mit "Muscle" (2001)

Schon von klein auf fühlte ich mich zu Pferden hingezogen. Sie vermittelten mir soziale Werte, die mir beim Umgang mit Menschen größtenteils verwehrt geblieben sind: Kommunikation von Herz zu Herz, Nähe, Berührung, Geborgenheit, Vertrauen, Respekt, das Gefühl des Getragenwerdens und des Sich-tragen-Lassens, des Aufgehobenseins, des voneinander Lernens...

Als ich mich als etwa 11-jähriges Mädel das ersten Mal in einem Reitstall nach einer Ausreitmöglichkeit erkundigte, erntete ich höhnisches Gelächter und die Antwort:“Da brauchst du erst mal etliche Longen-Stunden und mindestens zwei Jahre lang regelmäßig Reitstunden in der Halle – und dann kannst du vielleicht daran denken, gemeinsam mit anderen ins Gelände zu gehen.“ Da ich mir Reitstunden ohnehin nicht hätte leisten können, verbrachte ich sehr viel Zeit damit, anderen beim Reiten zuzusehen. Für kurze Zeit nahm ich an preislich günstigen Voltigierstunden teil. Probleme mit den Handgelenken und einer militantisch laut schreienden Reitlehrerin nahmen mir jedoch alsbald die Freude daran.

Noch bevor ich Reitstunden konsumiert hatte, ergab sich für mich die Gelegenheit, im Stall von Privatleuten mitzuhelfen und ab und zu mit deren Pferden auszureiten. Ich verbrachte so viel Zeit wie möglich bei den Pferden, saß oft stundenlang im Stall, hörte ihnen beim Fressen zu, streichelte sie, sprach (auf vielfältige Weise) mit ihnen.

Wurden sie während dem Hufebeschlagen von Fliegen und Bremsen gepeinigt, setzte ich mich vor ihnen auf den Zaun und schwenkte ein Geschirrtuch mal hier hin, mal dort hin. Man konnte den Pferden ihre Dankbarkeit darüber förmlich ansehen und sie wendeten ihren Kopf von selbst in Richtung Tuch, wenn sie mehr Unterstützung benötigten. Machten sie auf eine juckende Stelle aufmerksam, rubbelte ich sie dort und erntete dafür ebenfalls Zeichen entspannten Wohlbefindens und Dankbarkeit.

Mit einem der Pferde konnte ich ohne Sattel, nur mit Stallhalfter und Strick, ausreiten gehen. Wurde ich unsicher, verlangsamte das Pferd sein Tempo oder hielt an. Eines Tages irritierte ein provokanter Junge das Pferd während so eines Ausrittes, indem er auf einer abfallenden Straße frontal einen Ball auf das Tier zurollen ließ. Das Pferd senkte zuerst Hals und Kopf, um das seltsame, rasch größer werdende, rollende Ding besser erkennen zu können. Der Ball erschien dann aber doch etwas zu suspekt, und so sprang das Pferd mit einem mächtigen Satz auf die andere Straßenseite. Den Augenblick meiner damaligen Unsicherheit quittierte das Pferd, indem es mir sofort seine Aufmerksamkeit zuwandte (die Ohren bewegten sich in meine Richtung) und – selbst noch ein wenig erschrocken – stehen blieb, abschnaubte und sich entspannte. Als wollte es sagen „Sorry, ich musste so reagieren, aber jetzt geht’s wieder“. Hätte ich mit stramm angezogenem Strick, klammernden Beinen und lauten Worten auf die Fluchtbereitschaft des Pferdes reagiert, wäre die Sache vermutlich weniger gut verlaufen.

Der Umgang mit diesen Pferden endete eines Tages abrupt, als sich herausstellte, dass der Besitzer die Tiere zu misshandeln begannen, zB in Form von Schlägen mittels Gerte und Besen. Und als ein gerade mal zwei Tage altes Fohlen nicht beim ersten Versuch am Halfter mitgehen wollte, zog der Besitzer so lange am Strick, bis das Fohlen strauchelte und hinfiel. Daraufhin schleifte er das auf der Seite liegende Fohlen von einem zum anderen Ende der Wiese – vom Halfter gewürgt, mit heraushängender Zunge!! Mir blieb fast das Herz stehen, doch der Besitzer meinte, er müsse so handeln, damit das Fohlen von Anfang an Gehorsam und Halfterführigkeit lerne (???). Über längere Zeit beließ er das Fohlen am Halfter der Pferdemutter angebunden, um damit eine ähnlich erzieherische Wirkung zu erzielen.
Da sich im Laufe der Zeit die tierquälerischen Absichten seitens des Besitzers häuften, wurde der Tierschutzverein darauf aufmerksam. Nach einem Vorfall, bei dem sich eines der Pferde nachts am Stacheldrahtzaun an der Vorderbrust schwer verletzt hatte und ich (!) von den Besitzern dafür beschuldigt worden war, brach die Verbindung zu diesen Leuten ab, da sie nicht mit sich reden ließen und stur an ihren Verleumdungen bzw. Beschuldigungen festhielten.

Die FN-Reitschul-Ära
Da ich mich dennoch zu Pferden hingezogen fühlte und ich nach der Schulzeit mein eigenes Geld verdiente, entschloss ich mich kompromisshaft zu vereinzelten Reitstunden in einem FN-Reitstall. Denn mein Wunsch war es gewesen, den Umgang mit Pferden zum Beruf zu machen. Die Aussage meines damaligen (deutschstämmigen) Reitlehrers, aus mir werde gewiss mal eine gute Reiterin, untermauerte mein Vorhaben.

Rasch wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Mit jeder Stunde, die ich im FN-Stall verbrachte, wuchsen meine Unsicherheit und die Zweifel darüber, ob der dort propagierte Umgang mit Pferden meiner inneren Einstellung und Intuition gerecht werden konnte. Zunächst wollte ich es nicht wahrhaben und dachte, dass bereits Ausgebildete und Leute, die jahrzehntelang mit Pferde zutun hatten, vielleicht doch mehr Ahnung und Recht hatten. Doch im Laufe der Zeit wuchs die Kluft zwischen meinen Ansichten und den im Reitsport üblichen Umgangsmethoden ständig.

Schulpferde in Boxenhaltung ohne Weidegang - entweder resigniert, abgestumpft oder aggressiv und neurotisch - von den betuchten Reitstallvorsitzenden als „wertlose Clubmähren“ bezeichnet. Reitstunden mittels lautstarkem, militantischem Drill, wo es um Leistung und blinden Gehorsam geht, nicht jedoch um eine Partnerschaft zwischen Pferd und Mensch. „Wer mit Pferden umgehen will, muss hart zu ihnen und kräftig sein!“ so die Aussage eines FN-Reitlehrers.

Dies wurde mir während eines mehrtägigen Aufenthaltes in einem privaten Tiroler Zuchtbetrieb deutlich vor Augen geführt. Der dortige (dazumal übrigens in Vorarlberg ansässige) Reitlehrer versetzte die Pferde binnen weniger Minuten in tropfnasse, schweißschäumende, angstvolle, verkrampfte und verspannte Kreaturen, indem er sie stark vorwärtstrieb und gleichzeitig mit den Zügeln am Vorwärtsgehen hinderte. Nach zehn Minuten drückter er mir die Zügel eines derart „vergewaltigten“ Pferdes in die Hand, damit ich es wegführte. Die Besitzerin rief mir noch hinterher, dass ich es unbedingt trockenführen solle, damit es sich nicht erkälte. Ausgehöhlt schritt das Pferd neben mir her, ließ sich mittels eines Schweißmessers den Schweiß abziehen. Es stand da wie ein Häufchen Elend, resigniert, geschockt, wehrte nicht mal mehr die Fliegen auf seinem Fell ab.

In diesem Stall erfuhr ich weiters von einem edlen Dressurpferd, das sich beim Reiten standhaft gegen das Rückwärtsrichten weigerte. Als ich die wunderschöne Stute einmal zum Satteln vorbereitete und beim Putzen sachte mit der Kardätsche über ihren Rücken strich, fuhr sie vor Schmerzen jäh zusammen, ging in die Knie und stellte sich dabei auf die Hufspitzen. Daraufhin angesprochen meinte die Besitzerin nur, die Stute sei wohl etwas empfindlich am Rücken – und unternahm keine weiteren Schritte...

Alsbald packte ich meine Koffer. Keine Stunde länger konnte und wollte ich Anweisungen befolgen, die sich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren ließen. Die Stallbesitzerin wollte ohnehin eine Auszubildende, die bereits alles kann (scheint irgendwie üblich zu sein in der Branche). „Du schaust gut und lieb aus auf dem Pferd, aber Reiten kannst du nicht.“ lautete ihr Urteil über mich.

Die Westernreit-Ära
Ein aus Südamerika stammender, in Deutschland praktizierender Westernreiter versicherte mir, ich hätte das „gewisse Etwas“ im Umgang mit Pferden, das nur die Allerwenigsten mitbringen.

Ein anderer (selbsternannter) Westernreittrainer lachte mich stets aus, wenn ich Pferde streicheln oder ihnen auch einfach nur die Hände auflegen wollte. „Du brauchst ein Kuscheltier und kein Pferd!“ grinste er höhnisch. „Ein Pferd muss willenlos gehorchen – das zählt.“ Er hatte dabei übersehen, dass ich auch mit einem Pferd „schmuste“, das als bissiger Satansbraten verrufen war....

Fazit
Fassen wir also zusammen: Wer (FN-)Pferdewirt bzw. Bereiter werden will, sollte Folgendes beachten:
* Du musst mindestens 18 Jahre alt sein (OK, das ist noch verständlich und nachvollziehbar).
* Reiten solltest du bereits können, wenn möglich bis Klasse M.
* Du solltest Härte im Umgang mit Pferden und eine Portion Muskelkraft mitbringen.
* Du solltest keine Skrupel haben, ein Pferd mittels Dominanz und Macht zu einem seelenlosen Leistungsroboter zu degradieren.
* Für die Ausbildung benötigst du zwei eigene Pferde; eins fürs Springen, eins für die Dressur. Wenn du dir das nicht leisten kannst, hast du ohnehin keine Chanche.
* Gefühle, Streicheleinheiten und Rücksichtnahme gegenüber dem Pferd haben beim Reitsport nichts verloren.
* Ganz allgemein brauchst Du für den Umgang mit Pferden viiiel Geld.

So wurde ich zur „Gelegenheitsreiterin“ – oft mit mehrjährigen Reitpausen dazwischen. Erhielt ich dann zB in einem bekannten Reitstall im schweizerischen Winterthur Gelegenheit zu einem Ausritt, erntete ich Anerkennung in Form von Aussagen wie „Man sieht, dass du regelmäßig reitest und einen sehr guten Sitz hast.“ Wenn ich die Leute dann über meine sporadischen reiterlichen Aktivitäten aufklärte, schüttelten sie ungläubig den Kopf.

Rückblickend lässt sich sagen: Vor dem Reitstunden-Konsum in einem FN-Stall besaß ich einen besseren Draht zu Pferden, konnte „besser“ (eben anders, intuitiver) Reiten und zeigte keine Angst vor Pferden.

Warum kein Pflegepferd?
Ich wurde schon mehrfach gefragt, weshalb ich denn kein „Pflegepferd“ bzw. eine „Reitbeteiligung“ annehme. Nun, meine bisherigen Erfahrungen haben einfach deutlich gezeigt, dass man als „Beteiligte“ stets der Depp vom Dienst und Prügelknabe für sämtliche unerwünschten Vorfälle am und ums Pferd ist. Außerdem reagieren die Besitzer oft allergisch auf das Einbringen eigener Ideen. Wird man zu lästig, werden einem die Worte im Mund umgedreht und man mittels Mobbing rausgeekelt.

Aktuell wäre mir die Versorgung eines Pfergepferdes allein aus gesundheitlicher Sicht ohnehin nicht möglich; und (therapeutische) Reitstunden sind finanziell nicht tragbar.

Was sich im Kontakt zu einigen Pferdebesitzern immer wieder herauskristallisiert: Jahrzehntelange Reiterfahrung bedeutet nicht automatisch, im Umgang mit Pferden alles richtig zu machen. Man kann auch Jahrzehnte lang vieles falsch machen! Vorgefertigte Kommunikations-Modelle zwischen Mensch und Pferd sind nur solange gut, als sie zum jeweiligen Pferd passen. Im Endeffekt zählt ein fairer, partnerschaftlicher Umgang. Erziehung, Regeln und Grenzen sind unerlässlich. Doch der Mensch sollte damit beginnen, sich für Pferde Zeit zu nehmen, sie zu respektieren, sich in sie hineinzufühlen und ihnen zuzuhören...

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