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Burnout

Der Kollaps des Ich's - der Infarkt der Seele

Burnout ist ein Sammelbegriff für verschiedene, gleichzeitig auftretende Symptome. Es gilt als Beschwerdebild, nicht als Diagnose. Burnout ist ein geistiger, körperlicher und seelischer Erschöpfungszustand (Erschöpfungsdepression, Nervenzusammenbruch, oft mit unangenehmen vegetativen Begleiterscheinungen), der sich über Jahre hinziehen und chronisch äußern kann; entstanden durch lang anhaltende Ungleichgewichte auf diesen Ebenen, ohne ausreichende Erholungs-/Entspannungsphasen dazwischen.

"Der Versuch der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, einen Konsens zu finden, endete in einer Kompromissformel: Burnout wird als subjektiv erlebte Überforderung am Arbeitsplatz beschrieben, die mit einem chronischen Erschöpfungszustand einhergeht, der sich auch in Erholungsphasen nicht zurückbildet - keine Krankheit, sondern ein Risikozustand für andere Erkrankungen, namentlich Depression." (Auszug aus dem Buch "Die Tyrannei der Arbeit" von Ulrich Renz, Seite 87)

FAKTOREN

Epigenetik: Die Umwelt wirkt generationenübergreifend auf unsere Gene.

"Man sagt ja, dass die erste Aufnahme der Erde vom All aus - der Eindruck dieses zerbrechlichen blauen Dings, das da durchs Universum segelt - dazu geführt hat, dass die Menschen die Welt plötzlich retten wollten. Ich glaube, dass künftige Generationen schon deshalb eine planetarische Sichtweise haben, weil sie dieses Bild sahen. Hier könnte es ähnlich laufen. Eines Tages leben die Menschen ihr Leben vielleicht so, dass sie damit ihr Genom schützen, praktisch als Hüter des Genoms. Ich finde ja, dass man damit vorsichtig umgehen muss, weil es nicht nur einen selbst betrifft. Man sollte das nicht selbstsüchtig sehen und sagen 'Ich rauche oder tue gefährliche Dinge, weil es mir egal ist, ob ich jung sterbe'. Man trägt auch die Verantwortung für seine Kinder und Enkel." (Prof. Marcus Pembrey, University College London)

Das, was die äußere Welt mit uns macht, schlägt sich bis auf die molekulare Ebene durch. Wir sind die Summe all unserer Erfahrungen: Fitness für das Erbgut - Frag den Lesch (ZDF)

Eltern-Kind-Beziehung: fehlende psychosoziale Gesundheit (Liebe, Geborgenheit, Zuwendung, Wertschätzung, Förderung) familiäre Konflikte, Aufwachsen in Armut, Drogen-/Suchtmittel konsumierende bzw. befürwortende Eltern, religiös verblendetes Umfeld, Unterdrückung der individuellen Persönlichkeitsentwicklung; mangelndes/fehlendes Urvertrauen.
"Bindung und Vertrauen von Kindern" - Eine Focus-Sendung von Radio Vorarlberg; Vortrag von Fabienne Becker-Stoll.

"Wenn die Mutter für das Kind uneigennützig verfügbar ist, also eine spiegelnde Mutter im positiven Sinn darstellt, wenn sie ein emotional warmes Klima erzeugen und auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen kann, entwickelt sich im heranwachsenden Wesen das gesunde Selbstwertgefühl. Fehlen hingegen in der Mutter-Kind-Beziehung Empathie, Konstanz und Verlässlichkeit, werden die natürlichen Bedürfnisse nicht entwickelt, sondern verdrängt. Es kann sich kein Urvertrauen bilden. Das Kind lässt die natürlichen Bedürfnisse nicht zu und wird verunsichert. Die Selbstansprüche werden als gefährlich erlebt und deshalb verdrängt. Das Gefühl, nicht genügend anerkannt und geliebt zu sein, führt zur emotionalen Unterversorgung, zum ständigen 'Hunger nach Liebe'. Eine Unter- (aber auch eine Über-)Versorgung an Zuwendung (= Interesse), Zärtlichkeit (= positive Emotionen) und Zeit (= Anwesenheit) in der für die psychischen Entwicklung so wichtigen Phase der frühen Kindheit, kann zu vielen psychischen Problemen und auch zum Narzissmus führen." (Prof. Dr. Reinhard Haller, Psychiater und Neurologe)

"Wenn es zu Störungen kommt, zB durch Belastung in der Familie oder sogar schon Belastung in der Schwangerschaft, dann werden die Stresssysteme beim Kind hochgefahren - und die bleiben dann ein Leben lang auf diesem hohen Niveau. Das hat Auswirkungen in der Gesundheitsentwicklung und bei der Bewältigung von späteren problematischen Situationen."
(Dr. Harald Geiger, Kinder- und Jugendfacharzt)

Partnerschaft: die eigenen Interessen/das eigene Leben zugunsten einer anderen Person hintenanstellen bzw. aufgeben, lang anhaltende Konflikte, Psychoterror, usw.

Arbeitsplatz: Mobbing, Arbeitsüberlastung wegen Mitarbeitereinsparungen bei gleichzeitig steigendem Arbeitspensum und erhöhten Anforderungen, Arbeit kann trotz täglicher Mehrstunden nicht bewältigt werden, mehrere Aufgabenbereiche derselben hohen Prioritätsstufe bei gleichzeitig ständigen Unterbrechungen, permanente Reizüberflutung, keine Pausen/Rückzugsmöglichkeiten, Arbeiten bei fast ausschließlich künstlichem Licht bzw. dämmrigen Lichtverhältnissen, Aussichts- und Hoffnungslosigkeit bezüglich Situations-Verbesserung, Angst um Arbeitsplatzverlust, usw.
Wenn die Arbeit uns krank macht - 12 Faktoren zum Burnout. [102 KB]
Kapitalismus macht krank.

Beim Aufzählen von Burnout-Gründen kommt immer das "Verleugnen von Problemen" zum Ausdruck. Aus eigener Erfahrung und jenen meiner früheren MitarbeiterInnen sei gesagt, dass unsere Vorgesetzten stetig auf die ganze Problematik hingewiesen worden sind. Sie waren jedoch relativ machtlos, hielten die Beschwerden für übertrieben oder hatten überhaupt kein Ohr dafür. Stattdessen wurden "Zeitmanagement-Kurse" empfohlen.

Emotionale/Soziale Komponenten: existenzielle Sorgen/Ängste, (Umwelt-)Gifte, Fremdbestimmung, Armut, Stress durch Hitze (auch am Arbeitsplatz; zB bei tägl. 8-12 Stunden Aufenthalt in unklimatisierten, schwülen 30 Grad heißen Räumen, womöglich mit Durchzug), Kälte, Lärm, usw.

Ist einmal eine gewisse Schwelle überschritten, gerät der hormonelle Kreislauf aus den Fugen (Stresshormon Cortisol schädigt Schaltstellen von Nervenbahnen), das Zusammenspiel zwischen sympathischem (tonisierendem) und parasympathischem (sedierendem) Nervensystem funktioniert nicht mehr ausgewogen. Die Folgen äußern sich in sehr komplexen Beschwerdebildern.

"Viel Stress schädigt den für Lernprozesse und Gedächtnis wichtigen Hypocampus im Gehirn, betroffenes Gewebe stirbt ab. Prinzipiell können durch Entstressung neue Nervenzellen entstehen." (Dr. Britta Hölzel, Meditations- und Gehirnforschung)

Persönliches Fazit: Mein Zustand blieb ein paar Jahre unerkannt (komplementärmedizinische Hinweise aus dem TCM-Bereich wurden seitens der Schulmediziner in den Wind geschlagen; mit dieser Aussage möchte ich die Schulmedizin keineswegs in Abrede stellen), da man sich lediglich am Blutbild orientierte. Daraus resultierendes Fazit:"Sie sind pumperlg'sund!" Nach dem endgültigen (Nerven-)Zusammenbruch folgten unzählige Infusionen etc. Konnte mich kaum auf den Beinen halten und musste für Erledigungen außer Haus um Hilfe bitten. Ein Kuraufenthalt tat einerseits gut, barg aber auch Stress.

Seitens der Ärzte herrschte sowohl Uneinigkeit über die Diagnose, als auch über die Notwendigkeit eines Psychopharmakaeinsatzes (ob überhaupt, und wenn doch, welche Art bzw. welche Dosis). Irgendwann wurden sie mir "freundlich aufgedrängt" ("Probierscht es halt amol.", "Jetzt wird's aber höchste Zeit, dass Sie Psychopharmaka nehmen!"). Geholfen hat die mehrmonatige Einnahme nicht wirklich. Heute würde ich das Zeug nicht mehr schlucken. Der chronische Erschöpfungszustand führt(e) allgemein sehr rasch an Grenzen. Meinen Arbeitsplatz musste ich aufgeben.

Das jetzige Einkommen liegt unterhalb der Armutsgrenze. Komplementärmedizinische Maßnahmen (zB TCM, Psychokinesiologie nach Dr. Klinghardt oder tiergestützte Therapien) sind dadurch nicht finanzierbar. Doch auch schulmedizinische Versorgungen besseren Standards werden von der GKK nicht getragen, bzw. ist der Selbstbehalt zu hoch. Hinzu kommen eine gewisse gesellschaftliche Ausgrenzung, Spott/Beschimpfungen, Unverständnis und massive existenzielle Ängste. Denn die Armuts-Spirale zieht unweigerlich nach unten.

Das ist kein Einzelfall! Politiker sehen trotzdem keinen Handlungsbedarf bezüglich Systemänderung bzw. Armutsbekämpfung. Lieber züchten sie aufgrund mangelhafter Sozialpolitik und Bevorzugung Reicher die Armut im eigenen Land fröhlich weiter. Wem es eh schon nicht gut geht, der muss zusätzlich mit dem jederzeitigen Verlust seiner Existenz rechnen, während sich Reiche ihre Zigarren mit 500-Euro-Scheinen anzünden...

Modediagnose Burnout?

Begleittext (Auflistung) zum Vortrag "Modediagnose Burnout?" - hier [403 KB]